Fünf Fragen an...Julia Deike

Julia Deike kandidiert in der Südstadt und im Baumschulviertel für den Stadtrat. Die gebürtige Ravensburgerin studierte Volkswirtschaft und Soziologie in Augsburg und in Bonn. 1996 trat sie in die SPD ein und engagierte sich seitdem auch in der Kommunalpolitik. Beruflich ist sie als Agile Coach bei einer großen Versicherung, aber auch freiberuflich tätig. Neben ihrem politischen Engagement ist sie auch beim Paritätischen Wohlfahrtsverband und im Bonner Frauenhaus aktiv und singt darüber hinaus noch in der Kantorei der Kreuzkirche.

Wir haben Julia Deike fünf Fragen gestellt – zur Sozialpolitik, ihrem Engagement in der bayerischen Hochschulpolitik und ihrer Vision für Bonn.

Warum möchtest du wieder in den Stadtrat?

Ich werbe für einen neuen Politikstil: gemeinsam gute Lösungen finden, konstruktiv und nachhaltig. Zu oft werden Interessen gegeneinander ausgespielt, z.B. „Sport gegen Kultur“ oder „Fahrrad gegen andere Verkehrsmittel“, anstatt themenübergreifend zu denken. Statt eine isolierte Einzelmaßnahme nach der anderen zu planen und ggf. durchzukämpfen, möchte ich zu einer visionäreren Politik beitragen und Fragen stellen, wie „Welche Verkehrsströme gibt es, wie wollen wir sie lenken?“ oder „Welche Bedürfnisse haben die Menschen in diesem Stadtteil und wie können wir möglichst viele davon berücksichtigen?“.

Welches Thema liegt dir besonders am Herzen?

Die Sozialpolitik liegt mir als langjährigem Vorstandsmitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbands natürlich besonders am Herzen. Auch Wohnen und Verkehr sind wichtige Themen - eigentlich in allen Stadtbezirken, aber besonders auch in meinem Wahlkreis Baumschulviertel/Südstadt. Zudem setze ich mich privat und beruflich für eine pluralere, diversere Gesellschaft ein, in der Menschen sich frei entfalten und verwirklichen können.

Was bedeutet Solidarität für dich?

Solidarität bedeutet für mich, dass wir gemeinsam versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das klingt groß und vielleicht ein bisschen abstrakt. Konkreter: alle sollten sich bemühen, nach ihren Fähigkeiten andere zu unterstützen, die Unterstützung benötigen und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen sich frei entfalten und verwirklich können. Das kann sehr viele Facetten haben. Natürlich die ökonomische, dass Menschen mit höherem Einkommen oder Vermögen mehr zur Finanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge beitragen. Aber weit über die rein finanzielle Frage hinaus heißt Solidarität für mich auch, dass Menschen, die mehr Zeit, Energie, Einfluss oder Fähigkeiten besitzen als andere, diese zum Wohle der anderen einsetzen. Und manchmal sind es die ganz kleinen Dinge: Ungerechtigkeiten anzusprechen, auch wenn man selbst nicht davon betroffen ist.

Wie bist du zur Politik und zur SPD gekommen?

Zuerst war ich in der Hochschulpolitik aktiv - und das in Bayern! Darüber und über meine Studienfächer Volkswirtschaft und Soziologie bin ich zur Sozialpolitik gekommen. Mir war klar, dass politisches Engagement jenseits der Hochschulpolitik bedeutet, dass ich mich in einer Partei engagiere. Da Gleichstellung für mich seit über 30 Jahren ein Herzensthema ist, habe ich auch mit den Grünen geliebäugelt, weil die diesbezüglich in den 90ern einfach einen Schritt weiter waren. Aber die Sozialpolitik der SPD fand ich glaubwürdiger. Vollends überzeugt hat mich nach meinem Umzug nach Bonn ein Praktikum im Bundestag bei der Vorsitzenden des Ausschusses für Arbeit und Sozialordnung. Danach bin ich in die SPD eingetreten und sofort im Ortsverein Poppelsdorf/Südstadt in den Vorstand gewählt worden. Und so war ich mittendrin in der Kommunalpolitik und habe gelernt, wie spannend das ist und wie viele Möglichkeiten der Gestaltung das Engagement auf kommunaler Ebene bietet. Schon während des Studiums habe ich für den Rat kandidiert, war kurze Zeit im Rat, dann auch in der Bezirksvertretung Bonn und seit vielen Jahren als Sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen.

Was ist deine Vision für unsere Stadt in fünf Jahren?

In fünf Jahren gibt es in Bonn deutlich mehr Sozialwohnungen, ein gutes Radwegenetz, ausreichende Betreuungsangebote für alle Kinder und man braucht kein Ticket mehr, um Busse und Bahnen zu nutzen, die häufiger und zuverlässiger fahren.
Aber vor allem gibt es in fünf Jahren viele engagierte Kommunalpolitiker*innen, die sich in der Sache oft uneinig sind, dann aber gemeinsam gute Lösungen erarbeiten, über Parteigrenzen hinweg und die Stadt gestalten. Dazu bedarf es keines Koalitionsvertrags, sondern einer konstruktiven Haltung. Und Politik und Verwaltung sind so in der Lage, immer wieder auf Veränderungen zu reagieren, statt Pläne abzuarbeiten, die nicht funktionieren.